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October 10, 2008

strophe

Filed under: Networks / Common(s) — Crosswords Print Issue @ 11:17

Communautés peu avouables

Tiédeur et tolérance. – Les animaux à sang chaud tolèrent parfois leurs congénères. De la tiédeur échangée naquirent la bienveillance et même la tendresse, accidents merveilleux de la phylogenèse.

Dans la revue Nature, édition spéciale. – On vient de trouver l’organe du langage ! C’est la société.
– On en compte des milliers.

Du unterzeichnest mit einem Tröpfchen Blut (Faust, v. 1737). – En 1842, à l’Université de Berlin, quatre jeunes neurophysiologistes, dont Helmholz, firent le serment de « prouver la justesse de la vérité fondamentale selon laquelle les forces physiques ou chimiques, à l’exclusion de toute autre, agissent sur l’organisme ».

Mais pourquoi le scellèrent-ils de leur sang ?

Les véritables contributions à la science attendent encore, pour être discernées, la fin de l’interminable décrépitude des idées communes.

Preuve transcendantale. – L’homme est un animal rationnel, bien qu’aucun homme ne le soit.

Völkisch. – Merveilleuse synthèse d’individualisme libéral et de collectivisme aveugle, la niaiserie identitaire vous impose une appartenance d’autant plus nécessaire que vous ne pouvez la choisir.

Univocité. – Ceux qui prêchent que les mots n’ont qu’un sens veulent nous faire parler d’une seule voix.

Comment se fait-il que le nationalisme soit sans frontières ? – La sottise aussi.

Les infinies différences entre les hommes, fondements inébranlables de leur égalité.

CEE préhistorique. – Au bon vieux temps, la Tamise se jetait dans le Rhin.

Les Européens se croient-ils donc les indigènes de l’universalité ?

Les mots du poème, en bons petits démocrates, conviennent bon gré mal gré de s’accorder ensemble.
– Dans mes strophes, la majorité relative suffit.

Dans le discontinu, comme les oiseaux du ciel. – Parmi les nations prédatrices, forts de nos désillusions, dépasser l’insurmontable.

A contribution to the Crosswords print issue by François Vaucluse for La Mer gelée, Paris/France

Handeln / Action

Filed under: Networks / Common(s),Publics / Publishing — Crosswords Print Issue @ 11:11

Gemeinschaft braucht Politik. „Politik“ meint, vor allem anderen, eine spezifische Weise zu handeln: diejenige Weise, in der Menschen sich selbst regieren; dasjenige Handeln also, in dem Menschen gemeinsam festlegen, wie sie zusammen leben wollen, und dies gemeinsam Festgelegte dann auch gemeinsam durchführen. „Politik“ heißt dasjenige Handeln, in dem wir uns zusammen führen: in und zu dem wir zusammenkommen, um unser Geschick selbst zu lenken. Dass Politik dies „vor allem anderen“ ist, heißt, dass, was die Politik betrifft, alles andere danach kommt. Erst wenn es Politik gibt, erst wenn es den Raum und die Praxis eines solchen Handelns gibt, können all jene Fragen verhandelt werden, die zumeist im Vordergrund der politischen Debatten, ebenso der Debatten des politischen Betriebs wie der politischen Theorie, stehen: die Fragen nach den Normen oder Idealen, an denen sich das politische Handeln orientieren soll; nach den Verfahren und Institutionen, in denen sich das politische Handeln organisieren soll; nach den Mitteln und Instrumenten, derer sich das politische Handeln bedienen soll. Selbstverständlich kann über alle diese Fragen auch gestritten werden unter der bloß hypothetischen Voraussetzung, dass es die politische Handlungsform, in der sich diese Fragen stellen, gebe (oder gäbe). Man kann politische Debatten auch im Konjunktiv führen. Vielleicht sind das ja überhaupt die schönsten politischen Debatten: solche, in denen man endlos darüber redet, was „wir“ tun sollten. Nur sollte man sich dabei bewusst halten, dass man lediglich konjunktivisch spricht: weil ganz ungeklärt bleibt, wer denn dieses Wir ist, ja, ob es ein Wir gibt, das etwas tun kann. Solange das aber nicht geklärt ist, ist ebenso ungeklärt, ob diese vermeintlich „politischen“ Fragen, und die möglichen Antworten, die sich auf sie geben lassen, überhaupt einen Gegenstand haben. Vor all diesen Fragen, das heißt: um diesen Fragen überhaupt einen Sinn zu geben, muss daher gefragt werden, ob es Politik tatsächlich gibt. Nicht, ob es sie überhaupt gibt – jemals tatsächlich gegeben hat oder geben kann. Sondern ob es sie heute gibt und wie es sie geben kann.

A contribution to the Crosswords print issue by Christoph Menke for Polar, Berlin/Germany

Politische Dämonologie / Political Daemonology

Filed under: Networks / Common(s) — Crosswords Print Issue @ 11:04

Die Sache der Gemeinschaft bildet sich nicht mit dieser oder jener Gemeinsamkeit, sondern dadurch, dass ein Gemeinsames überhaupt auf dem Spiel steht. Sie konkretisiert sich am Hinzukommenden, am ungebetenen Gast. Wer nicht dazu gehört, fordert das Band des Gemeinsamen heraus; und was ‚wir’ sind, waren oder sein wollen, findet man nicht in geteilten Meinungen, gesetzten Übereinkünften, gemeinsamen Merkmalen oder Geschichten vor, es bestimmt sich vielmehr von einem Ort her, an dem der Überzählige in ‚unserem’ Namen verfolgt oder empfangen, verstoßen oder herbeigerufen wird. Das Boot ist immer schon voll oder kein Boot; der Nächste zu nahe oder nicht nahe genug. Das ergibt ein politisches Vexierbild, ein helldunkles Doppelgesicht: Das Gemeinsame der Gemeinschaft ist niemals desinteressiert und meint je nach Fall Bann, Verpflichtung und Ergebenheit zugleich. Mit ihm werden die politischen Unkosten – Opfer oder Selbstopfer – verrechnet; ein gemeinsames Gut ist nichts weniger als billig und ergibt sich für alle (Un-)Beteiligten nicht umsonst.

Damit begründet sich einerseits eine politische Dämonologie. Die Gemeinschaft erweist sich als Matrix, auf der sich die gemeinsame Sache der politischen Wesen und Unwesen formiert. Die cosa nostra von Stämmen, Nationen, Horden, Teams oder Korporationen zeigt sich hier im Entstehen und lässt im Tableau ihrer Kämpfe und Konfliktlagen die Dramen mikrologischer Differenzen und Grenzziehungen erscheinen: Gegenstand einer politischen Artenlehre. Andererseits existiert das Gemeinsame von Gemeinschaften nur imperfekt und in der Zeit, es kennt seine Vollendung nur auf Widerruf. Es bleibt an die Zeit der Entscheidung geknüpft und schwankt zwischen der robusten Schnellkennung des Feinds und den unabsehbaren Verweildauern, die die Ankunft des Freundes verlangt. Wo aber die Gemeinsamkeit selbst das Maß unseres Verweilens bestimmt, ist das Gemeinsame der Gemeinschaft weder abzählbar noch gegeben. Es gibt sich vielmehr im Mangel und im Überschuss zugleich: nimmt dich auf, wenn du kommst, und entlässt dich, wenn du gehst.

A contribution to the Crosswords print issue by Joseph Vogl for Polar, Berlin/Germany

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